Nils Åke Svensson, geboren 1974, ist eine echte Ausnahme der Szene. Obwohl er mehrfach als „Der Mankell des Nordens“ bezeichnet wurde, wurden seine Werke bislang nicht auf dem deutschen Markt angeboten.
Als schwierig stellte sich hier scheinbar die rechtliche Lage dar. Nils Åke Svensson war, wie so viele Nordic Noir-Schriftsteller, Journalist. Im Gegensatz zu den anderen gab er seinen Job jedoch nicht auf. Im Gegenteil. Er veröffentlichte seine Werke in Zeitungen als eine Art Fortsetzungsroman in teils etwas loser Reihenfolge. Seine Figuren sind in Teilen anders als bei den bekannten Vertretern des Genres und stammen aus dem Norden, wo die Sommer durchgängig hell und die Winter durchgängig dunkel, kalt und schneereich sind.
So ist etwa sein Ermittler Edvard Fagerlund zunächst ein Typ, der es sich eher gemütlich gemacht hat. Einer, der in seiner Dienstzeit angelt und sich nicht so sehr um die Ermittlungen seiner Kollegen schert. Er hat sich in einer bequemen Ecke eingerichtet, wo er unbeobachtet seine Tage verbringen kann. Ehrgeiz scheint ihm auf den ersten Blick fremd zu sein. Das kennt man sonst nicht.
Dennoch waren die Krimis in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Viele andere Autoren wie etwa Lassgard und Dalin berufen sich auf Svensson als wichtige Inspiration und Vorbild.
Seine Krimis spielen im „Grenzland“ des Tornedalen, wo Schweden und Finnen aufeinandertreffen, ihren sehr eigenen Dialekt sprechen und in den ersten Büchern noch mit den Neuerungen des Schengen Abkommens zu kämpfen haben. Das ist eben kein typisches Setting wie Stockholm, Kopenhagen oder Oslo. Aber daraus erwächst viel Spannendes.
Nils Åke Svensson ist ein ausgezeichneter Beobachter, der Figuren mit ein paar Wörtern entstehen lassen kann und ihnen eine Glaubhaftigkeit und Farbe verleiht, wie man sie nur selten findet. Dennoch waren seine Geschichten durch das Format eingeschränkt. Lange Kapitel gab es nicht und – heute fast unvorstellbar: Svensson wurde pro Zeile bezahlt. Trotz einer recht hohen Verbreitung war er dadurch chronisch unterbezahlt, verglich man seine Bezüge mit anderen Schriftstellern.
Man kann nur hoffen, dass dieser skandinavische Schatz noch für den deutschen Sprachraum gehoben wird und das Buchformat erhält, das er verdient hat.
In diese Aufzählung gehört er allemal. Er hat das Genre in seiner Blütezeit weiterentwickelt – nur eben in einem anderen Medium, das den Deutschen bislang nicht zugänglich ist.
Nils Åke Svensson veröffentlichte seine ungewöhnliche Dekalogie sogar bei einer Tageszeitung, wo sie als eine Art unregelmäßiger Fortsetzungsroman erschien.
Liegt nicht in Deutscher Übersetzung vor und ist bis heute nicht in Buchform erschienen.
Stinarsund ist eine Art „Easter egg“ geworden, obwohl das laut Angaben der drei Beteiligten nie geplant war. Es handelt sich um einen fiktiven Ort im südlichen Lappland, den Nils Åke Svensson erdacht hat. Der Ort hat verschiedene Anleihen bei den Küstenorten entlang der Landesstraße „E4“: Umeå, Piteå, Luleå und in Grenzen auch Skeletfteå. Der Ort taucht zum ersten Mal in der prominenten Kurzgeschichte „Fichtenschlachten“ auf, wo er noch „Stinarslund“ heißt. Svensson hat den Ort später an die Autorin Liva Dalin „ausgeliehen“, die ihn in „Tödliche Sommer“ explizit verwendet und auch in anderen Texten erwähnt. Lassgard hat jedoch seine enorm erfolgreiche Serie um das Ermittler-Duo Bergqvist und Lund dort angesiedelt. In seinem Stinarsund wiederum gibt es ein Restaurant, das in unregelmäßigen Abständen auftaucht. Über das Restaurant erfährt man, dass es „der Familie Nykvist“ gehört hat, also der Familie der Hauptfigur der Romane von Liva Dalin. Im siebten Teil von Dalins „Skanforce“-Serie erfährt man, dass Stella Nykvist das Restaurant verkauft hat, was eine Reverenz an Lassgard ist, mit dem sie persönlich befreundet ist.